Geschichte Passionsspiele
Wie in vielen Tiroler Gemeinden entstand auch in Erl die Tradition des Passionsspiels auf Grund eines Gelöbnisses. Seit 1613 verkünden die Erler Passions- und Osterspiele die christliche Botschaft des Friedens. Die Wurzeln der Erler Passion gehen auf ein Osterspiel des Meistersingers Sebastian Wild aus Augsburg zurück, wie der älteste Spieltext von 1630 belegt.
Die Musik zu den Passionsspielen stammte in den Jahren 1979 bis 2002 von Cesar Bresgen und war nach den Worten des Komponisten als Brücke zwischen Bühne und Spielgemeinde zu verstehen. Neben Chorsätzen in der alpenländischen Tradition, Stücken für Bläser erklingen auch Werke auf der im Passionsspielhaus eingebauten Orgel.
Das Bühnenbild stammt wie das Passionsspielhaus selbst aus dem Jahr 1959 und wurde von Lois Egg geschaffen. Er war damals Ausstattungsleiter und Bühnenbildner am Burgtheater in Wien und hat für viele Schauspiel- und Opernhäuser in aller Welt Bühnenbilder geschaffen.
Das Passionsspielhaus
Zu Beginn des vorigen Jahrhunderts besaß Erl ein Passionsspielhaus, in dem 1700 Zuschauer Platz fanden. Es wurde von 1909 bis 1911 erbaut und stand im Ortsteil "Weidau". Durch einen Brand wurde diese Spieltenne 1933 zerstört.
Das aktuelle Passionsspielhaus wurde nach den Plänen von Architekt Robert Schuller von 1957 bis 1959 erbaut und kann als ein akustisches und architektonisches Meisterwerk betrachtet werden. Es fügt sich harmonisch in die Landschaft und verlängert schneckenförmig das Gebirge in die Ebene hinein.
Seine außergewöhnliche, kühne Form hat das Gebäude zu einem markanten Wahrzeichen von Erl werden lassen.
Das größte Parterretheater Österreichs bietet Platz für 1500 Besucher. Die Bühne mit einer Breite von 25 Metern und einem Podest- und Stufenaufbau bildet einen höchst eindrucksvollen Rahmen für die 500 Darsteller im Passionsspiel oder die spektakulären Aufführungen der Tiroler Festspiele Erl
Seit 1997 können sich unsere Besucher vor Beginn oder während der Pause bei den Aufführungen im neu errichteten Buffetbereich stärken.
Im Jahr 2003 wurde der Kunstraum beim Passionsspielhaus eröffnet. Ein Veranstaltungsraum für ca 150 Besucher.
Die Tiroler Festspiele Erl
Der prominente österreichische Dirigent Gustav Kuhn, Herbert von Karajan-Schüler und erbarmungsloser Kritiker der Kulturszene verwirklicht bei den Tiroler Festspielen Erl seine musikalische Kunst, unberührt vom industriellen Diktat.
Im Jahr 1997 rief Gustav Kuhn die Tiroler Festspiele Erl ins Leben, die 1998 mit der Aufführung von "Rheingold" Ihren Auftakt feierten. Seitdem wird alljährlich die Bühne des 1959 von Robert Schuller erbauten Passionsspielhauses bespielt.
Vorerst als Verein geführt, erfuhren die Tiroler Festspiele Erl 2005 eine Umstrukturierung und tragen seitdem den Titel "Tiroler Festspiele Erl Betriebs Ges.m.b.H.". Als deren Präsident fungiert Dr. Hans Peter Haselsteiner, ihm steht Gustav Kuhn als künstlerischer Leiter zur Seite.
Die Tiroler Festspiele Erl vereinen mit ihrem pluralistischen Konzept intellektuell und volkstümlich, hehr und flippig, die musikalischen Künste im Reichtum ihrer Ausformung: Große Opern- und Konzertliteratur des 19. Jhdts., Neue Musik, Jazz, Volksmusik und dazu alles, was diese Formen erhellend oder kritisch berührt.
Die im Rahmen der Festspiele aufgeführten Opernproduktionen wurden allesamt für die Bühne des Passionsspielhauses in Erl produziert. Gustav Kuhn dirigierte und inszenierte in Personalunion neben Wagners "Ring des Nibelungen" auch Werke wie "Parsifal", "Tristan und Isolde" und Richard Strauss' "Elektra".